Miku Sophie Kühmel – Kintsugi

Kintsugi ist eine japanische Technik, bei der zerbrochene Porzellangefäße mit flüssigem Kleber, in den Gold oder anderen Metallpartikel gemischt werden, wieder zusammengefügt werden. Diese Gebrauchsspuren sehen nicht nur dekorativ aus sondern machen die Gefäße immer wertvoller. Dieser Vorgang kann wieder und wieder angewandt werden und so begleiten diese Gegenstände ihre Besitzer oft ein Leben lang.

„Kintsugi“ heißt auch der bemerkenswerte Roman von Miku Sophie Kühmel. Er schaffte es in diesem Jahr auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde mit dem Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet. Um es vorweg zu nehmen, war es auch für mich ein besonders gelungener Roman, der zu Recht so hoch gelobt worden ist. Doch worum handelt es sich bei dieser Geschichte und was haben die gekitteten Bruchstellen damit zu tun?

Ein Haus am See in der Uckermark. Es ist noch winterlich kalt und der See noch nicht ganz vom Eis befreit, der Boden noch hart gefroren. Reik und Max wollen hier ganz in aller Stille gemeinsam mit ihrem besten Freund Tonio und dessen Tochter Pega, die genauso lange auf der Welt ist, wie die Beziehung zwischen Max und Reik nun schon besteht, ihren zwanzigsten Jahrestag feiern obwohl der Anlass doch durchaus einen größeren Rahmen verdient hätte. Für mich war dies eine interessante Konstellation und man ahnt schon früh, dass hier einiges aufgearbeitet werden wird. Uns so haben wir Anteil an einer scheinbar perfekten Beziehung, die jedoch zunehmend brüchiger erscheint. Max und Reik lieben sich ohne Frage, doch genügt das, um für alle Zeiten zusammen zu bleiben? Was sind die Lebensentwürfe? Die öffentlich zur Schau gestellten, aber auch die vielleicht tief in der jeweiligen Person versteckten? Sind die Kompromisse, die man eingeht, wenn man zusammen lebt für beide tragbar oder gibt es Wünsche und Sehnsüchte, die in der Beziehung untergegangen sind? Diese Fragen stellen sich an diesem Ort gnadenlos und unentrinnbar. Miku Sophie Kühmel wechselt die Perspektiven und lässt uns in die Gedanken der versammelten Personen blicken. Auch die Gäste Tonio und Pega gehören als wichtige Katalysatoren in diesen Entwicklungs- beziehungsweise Entscheidungsprozeß hinein.

Mir gefällt die Spannung, die sich während dieses Wochenendes aufbaut und obwohl man bald erkennt, das sich Risse auftun werden, überrascht das Ende ein wenig. Sprachlich überzeugend und flüssig erzählt ist mir dieser Roman sehr ans Herz gewachsen.

Ein Gedanke zu „Miku Sophie Kühmel – Kintsugi“

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